In Laufschuhen durch Schottland

[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Werbung für ein tolles Lauf Event und ein wunderschönes Land und seine Menschen]

Nach unserem ersten gemeinsamen Lauf-Abenteuer in Rom im April 2017, das sozusagen der (Wieder-)Einstieg ins Laufen für uns war, wollten wir auch dieses Jahr gerne wieder ein Wochenende zusammen verreisen. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir dieses Mal von vornherein und gezielt das Wochenende nach einem Laufevent aussuchten. Da Nicola endlich die 10 km knacken wollte und da Schottland auch schon lange auf ihrer Reise-Wunschliste stand, war die Idee schnell geboren. Denn was gibt es Schöneres als so einen Wochenend-Trip mit einem Sportevent zu verbinden?

Nicola schlug Edinburgh als Reiseziel und den 10km Lauf im Rahmen des Edinburgh Marathon Festivals Ende Mai vor. Nika war direkt Feuer und Flamme für die Idee, buchte Flüge, plante eine Route und suchte nach passenden Unterkünften. Die Lauf-Strecke sollte uns auf 10km rund um Arthur’s Seat, den 251m hohen Hausberg Edinburghs, führen – so stand es in der Ausschreibung. Aber ehrlich gesagt war uns überhaupt nicht klar, worauf wir uns mit diesem Lauf einlassen würden, denn der Kölner hat es beim Laufen eher selten mit hügeliger Landschaft und Bergen zu tun…

Nachdem ich über den Fun Run beim Maratona di Roma und unsere Abenteuer in Rom berichten durfte, wird dieses Mal Nicola aus ihrer Sicht über die 10km beim Edinburgh Marathon Festival berichten. Und ich gebe nur hin und wieder schlaue Kommentare dazu ab. 😉 (Nika)

Auf nach Schottland

Glücklicherweise hatte ich eine Woche zuvor im Training zum ersten Mal die 10km-Marke geknackt und das gab mir mental sehr viel Kraft. Wenn ich an meine Laufanfänge in 2017 denke, hätte ich es mir nicht träumen lassen, ein Jahr später 10km am Stück laufen zu können. Und trotzdem: Je näher der Abreisetag kam, desto aufgeregter wurde ich. Doch endlich ging es los und wir landeten freitags um die Mittagszeit in Edinburgh. Mit dem Bus machten wir uns direkt auf den Weg zu unserer Unterkunft, stellten unser Gepäck ab und hielten einen kurzen Plausch mit unserer AirBnB-Gastgeberin. Anschließend ging es direkt weiter zur (sehr übersichtlichen) Marathon Messe, wo wir unsere Startunterlagen für Samstag abholten und schon mal die ersten Fotos machen konnten.

Startunterlagen abholen

Auf dem Weg dorthin kamen wir am Start-/ Zielbereich der Strecke vorbei und uns wurde bewusst, auf was wir uns da eingelassen hatten: Berge, Wind und wieder Berge. Wir bekamen ein bisschen Muffensausen, aber gleichzeitig stieg die Vorfreude auf dieses besondere Laufabenteuer. Den restlichen Freitag schlenderten wir durch Edinburgh, schauten uns die Old Town und das Castle an. Wir gönnten uns ein Eis bei Mary’s Milk Bar, eine kleine aber sehr feine Gelateria im Herzen Edinburghs. Mary hat die Kunst der Eisherstellung in Italien gelernt und es gibt jede Woche neue Sorten. Wir hatten so leckere Kompositionen wie Salted Caramel mit Cookies oder Guiness mit gerösteten Erdnüssen. Wenn ihr in Edingburgh seid, schaut in der kleinen Milchbar, die vom Interior wirklich ein wenig an die 50er Jahre erinnert, vorbei. Ein Besuch lohnt sich! (Hier gehts zur Webseite Mary’s Milk Bar).

Der härteste Lauf bisher

Am Samstag klingelte schon früh der Wecker, denn wir mussten um 8 Uhr in der Früh das Haus verlassen, um pünktlich am Start zu sein. Unsere Vorfreude war groß. Wir wussten zwar nicht genau was auf uns zukam, freuten uns aber auf die Strecke und die Stimmung. Wir reihten uns in unseren Startblock ein und langsam stieg der Puls an. Nika sagte immer wieder mit einem Schmunzeln „gegangen wird nicht“ und ich dachte nur „Hauptsache durchziehen und im Ziel ankommen“. Wir laufen ein unterschiedliches Tempo und Nika ist schneller als ich unterwegs. Wir wollten es eigentlich gemeinsam durchziehen, doch ich wollte sie auch nicht aufhalten und ausbremsen. Andererseits ist es auch immer toll, wenn sie im Ziel auf mich wartet und wir dann gemeinsam unseren Erfolg feiern können.

Die Stimmung an der Strecke und im Startbereich war mitreißend und wir Läufer warteten gespannt auf den Startschuss. Der erste Kilometer war noch relativ flach und es ging sogar ein kleines Stück bergab, doch ziemlich genau beim Schild „km 1“ begann der Anstieg. Die folgenden zwei Kilometer bis zur „km 3“-Marke waren die längsten Kilometer, die ich bis dato erlebt hatte. Mein Kopf wollte schon da nicht mehr laufen, denn es ging bergauf. Die ganze Zeit nur bergauf. Und dabei würden wir noch nicht einmal den Gipfel von Arthur’s Seat erklimmen, sondern nur ein paar Höhenmeter machen.

Normalerweise mache ich in solchen Momenten, wo mein Kopf schon nicht mehr will, meine Musik an, lasse mich davon mitreißen und versuche meine Gedanken abzustellen. Leider hatte ich in der morgendlichen Aufregung meine Kopfhörer vergessen, so dass ich mich nun ohne musikalische Unterstützung durch diesen Anstieg kämpfen musste und mit vielen Mitstreitern gemeinsam hoch walkte. Jedoch fing ich irgendwann einfach an die Lieder meiner favorisierten Playliste im Kopf zu singen und das half mir meine Gedanken zu lenken. Nika hatte ich zu dem Zeitpunkt schon aus den Augen verloren, denn sie hats knallhart durchgezogen und ist auch bei diesem ewig dauernden Anstieg nicht einen Meter gegangen.

Der Anstieg war wirklich steil, lang und hart. Erschwert wurde das ganze dadurch, dass ich die Strecke nicht kannte und somit nicht abschätzen konnte, wie lange dieser Abschnitt wohl noch andauern würde.  Aber während ich mich im Zickzack-Kurs durch andere, meist gehende Läufer hindurch schlängelte und weiter den Weg hinauf kämpfte, wiederholte ich im Kopf immer wieder „Du wirst nicht gehen. Du wirst nicht gehen.“

Es war wie ein Mantra für mich und ließ mich irgendwie durchhalten. Die Erleichterung als es nach zwei Kilometern Anstieg jedoch endlich eben wurde und einen weiteren Kilometer später sogar bergab ging, war dennoch unbeschreiblich. (Nika)

Endlich Kilometer 4 erreicht

Wie verrückt doch die eigene Wahrnehmung ist: Nachdem bei Kilometer 3 der Anstieg geschafft war und wir den höchsten Punkt der Strecke erreicht hatten, lag der gefühlt kürzeste Kilometer vor mir. Der vierte Kilometer fühlte sich wie 400m an und war ratz fatz geschafft. Als dann bei Kilometer 5 die Zwischenzeit gemessen wurde, bekam ich wieder richtig Aufschwung, denn die Hälfte war geschafft. Ich hatte nun gut in meinen Rythmus gefunden und erwischte mich sogar dabei, dass ich anfing, den Lauf zu genießen.

Kilometer 6 und 7 führten uns nach Duddingston, einem Stadtteil von Edinburgh, der jedoch eher wie ein kleines schottisches Dorf mit Steinkirche, Pub und schnuckligen kleinen Häusern aussah. Langsam meldete sich mein Magen und ich merkte, dass ich Hunger bekam. Ich hatte mir zwar kurz vorher an der Versorgungsstation etwas Wasser mitgenommen, aber das half mir nun auch nicht wirklich. Doch dann kam die Rettung, denn am Wegesrand stand plötzlich ein kleines Mädchen und fragte die Läufer, ob sie Weingummi haben möchten. Sie hielt uns die Tüte vor die Nase und ich griff beherzt zu. Diese zwei Weingummis retteten mich über die letzten Kilometer. Ich habe mich selten so sehr über Weingummi gefreut und es so sehr genossen.

Blair Castle, Schottland
Die Gärten von Blair Castle

Die längsten 10 Kilometer

Die Stimmung am Streckenrand war echt toll. An vielen Stellen standen Menschen und feuerten uns Läufer an. Es ist absolut motivierend, wenn plötzlich jemand deinen Namen ruft, dich anfeuert und dir sagt, dass du es schaffst. So war es bei Kilometer 8 und es gab einem als Läufer noch einmal richtig Aufschwung, ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Kilometer fast nur bergab ging.

Ich wusste gar nicht wohin mit meinen Gefühlen, denn ich konnte es nicht fassen, dass es wirklich gleich geschafft sein sollte. Gleichzeitig freute ich mich so sehr, es endlich hinter mir zu haben. Auf den letzten Metern hatte ich sehr mit meiner Atmung zu kämpfen, denn ich hätte vor Freude und Erleichterung heulen können. Zeitgleich musste ich mich aber auch konzentrieren, die letzten 300 Meter bergab noch ordentlich zu laufen und nicht zu schnell zu werden, denn meine Knie mochten diese Berg- und Talfahrt gar nicht und hatten sich immer wieder bemerkbar gemacht.

Auf den letzten 100 Metern lief ich nur noch nach Autopilot; mein Kopf war ausgeschaltet. Ich wollte einfach nur ankommen. Das Ziel lag hinter einer Kurve und als ich dann Nika erkannte, die direkt hinter der Ziellinie auf mich wartete, war ich nur glücklich und total fertig zugleich. Wir fielen uns überglücklich in die Arme. Als ich nach dem Zieleinlauf meine Zeit checkte war ich positiv überrascht, denn ich hatte mir das Ziel gesetzt unter 80 Minuten zu bleiben. Das habe ich trotz kleiner Walkingstrecken mit 77 Minuten für 10 km super geschafft.

Der letzte Kilometer war unglaublich. Vor allem unglaublich schnell. Hatte ich für den zweiten Kilometer aufgrund des steilen Anstiegs noch 7’42“ gebraucht, so ließ ich es auf dem letzten Kilometer bergab einfach nur laufen, genoß die Atmosphäre auf den letzten Metern und kam nach nur 5’40“ für den letzten Kilometer ins Ziel.  Fix und fertig, aber überglücklich, es geschafft zu haben. Später würde ich zu Nicola sagen, dass dies mein bis dato härtester Lauf gewesen sei – und mich wundern, warum meine Laufuhr ’nur‘ einen Anstieg von 120hm anzeigen würde. Gefühlt hatten wir die 251hm von Arthur’s Seat mindestens dreimal bezwungen… 😉 (Nika)

Medaille
Die wohlverdiente Medaille nach dem 10km Lauf

Im Ziel angekommen wollten wir natürlich auch unsere wohlverdiente Medaille in Empfang nehmen. Hierfür wurde man in eine Tiefgarage direkt neben der Strecke geleitet. Etwas unglamourös und wirklich unspektakulär. Man bekam Wasser, Banane und die Medaille in die Hand gedrückt und dann gings wieder zurück ans Tageslicht. Entgegen des Vergabeorts ist die Medaille wirklich sehr schön und hat einen Ehrenplatz bei mir zu Hause bekommen. Wir schlenderten dann zurück zur Marathon Messe um unsere Taschen abzuholen uns umzuziehen und natürlich mussten wir auch noch Fotos machen.

Kalorienrückführung deluxe!

Nach den körperlichen und mentalen Strapazen war uns klar, wir müssen erstmal etwas essen. Die verbrannten Kalorien müssen ja schließlich wieder reingeholt werden. Wir hatten Freitag bei unserem Stadtbummel schon ein süßes Café entdeckt, in dem es Cupcakes und ganz viele andere Leckereien gab. Wir machten uns aber erstmal auf den Weg zu unserer Wohnung, um zu duschen und auszuchecken. Um wieder zu Kräften zu kommen, aßen wir bereits auf dem Rückweg eine Banane und einen Müsliriegel und hatten ein weiteres „Hindernis“ zu erklimmen. Denn eine Treppe kann nach einem 10 km Lauf  zu einer echten Herausforderung werden!

Wir haben diesen Moment auf Instagram in unseren Story Highlights festgehalten. Wir „krochen“ also zur Wohnung, machten uns abreisebereit, denn wir wollten ja noch mehr von Schottland sehen. Aber bevor wir Edinburgh verließen wurde im Café Mimi’s Bakehouse noch ordentlich geschlemmt. Wir gönnten uns heißen Kakao, Scones mit Butter, Marmelade und clotted cream, Kokos-Brownies und außerdem noch ein leckeres Sandwich.

Schottland entdecken und genießen

So gestärkt machten wir uns schließlich wieder auf den Weg mit dem Bus zurück zum Flughafen, wo wir unseren Mietwagen für die nächsten Tagen abholten. Wir waren ja nicht nur zum Laufen nach Schottland gekommen, sondern wollten in unserem Kurzurlaub auch noch ein wenig Land und Landschaft entdecken. Ich war heilfroh, dass Nika bereits Erfahrung mit dem Auto fahren im Linksverkehr hatte und uns ohne Probleme an unser nächstes Ziel brachte: St. Andrews.

Das kleine, beschauliche Städtchen an der Küste, mit vielen kleinen Geschäften, ist vor allem bekannt für seine Universität, aber wir schauten uns auch noch die Burgruine und die mittelalterliche Kirche mit historischem Friedhof an. Solche Orte finde ich immer sehr spannend, wenn man bedenkt was dort über die vielen Jahre schon alles passiert ist.

Nachdem wir abends dann in unserer Unterkunft angekommen waren, waren wir doch ziemlich k.o. von dem Tag und entschieden uns dafür, nur einen kurzen Spaziergang durchs Dorf zu machen und uns am Fish&Chips Imbiss etwas zum Essen zu holen, bevor wir dann todmüde und sehr zufrieden ins Bett fielen.

Die nächsten Tage ließen wir es ebenfalls ruhig an gehen. In den Sonntag starteten wir mit der Besichtigung von Blair Castle, wo wir neben Schloss und Gärten auch einen Blick auf die Highland Games werfen konnten, die an diesem Tag auf dem benachbarten Feld stattfanden. Den Nachmittag verbrachten wir dann ganz gemütlich und über Gott und die Welt quatschend in der Aberfeldy Watermill (einem von Nika’s Lieblingsorten in Schottland), die zugleich Café und Buchladen ist. Den Abend ließen wir dann ebenso gemütlich im Padrone Pizza in Helensburgh ausklingen.

Nach dem ganzen köstlichen Essen, verspürten wir montags dann doch so etwas wie Bewegungsdrang. Nika schnürte morgens sogar noch einmal die Laufschuhe, um eine halbe Stunde lang die Promenade von Helensburgh entlang zu laufen, bevor wir schließlich auscheckten, Frühstück besorgten und uns auf den Weg nach Loch Lomond (Nika’s absolutem Lieblingsort in Schottland) machten. Dort wanderten wir auf den Conic Hill hoch, genoßen die wunderbare Aussicht und ließen die Seele baumeln. Dieses viele, satte Grün in Schottland ist ein Erlebnis fürs Auge.

Loch Lomond
Aussicht über Loch Lomond vom Conic Hill aus

Dienstag war dann auch schon unser letzter Tag und wir kamen nach wirklich schönen, sonnigen Tagen doch noch in den Genuss des typisch schottischen Wetters. Der Himmel war wolkenverhangen und über den Häuserdächern lag dichter Nebel. Bevor wir abends von Edinburgh aus zurück fliegen würden, nutzten wir die Zeit noch für Kultur, Shopping und Essen. 😉 Zunächst besichtigten wir die Ruinen von Linlithgow Palace, ein wirklich beeindruckender Ort. Und dann verschlug es uns noch in eine Shopping-Mall, die zufällig auf dem Weg lag. Dort kauften wir den halben GAP leer (es war ein GAP Outlet und zudem auch noch Sale 🙈). Und dann stärkten wir uns für die Heimreise noch bei einem späten Mittagessen.

Zurück am Flughafen, gaben wir den Mietwagen zurück und stellten dann fest, wie viel zusätzliches Gepäck sich in den letzten Tagen (und vor allem in den letzten Stunden) so angesammelt hatte. Also hieß es noch einmal neu packen. Nikas Rucksack entpuppte sich als kleines Raumwunder, so dass sie ziemlich schnell all ihre Sachen verstaut hatte, schlaue Tipps gab und dafür sorgte, dass wir unseren restlichen Proviant, der nicht mehr ins Gepäck passte, auch noch auf aßen.

Die schönste Zeit

Auch diese Momente haben wir auf unserem Instagram Profil als Highlight gespeichert, da wir uns sehr gerne an diese Reise zurück erinnern und die Stories immer mal wieder anschauen. Schaut gerne dort noch einmal rein – es lohnt sich! 😉

Wenn ihr gerne mehr über unsere genaue Reiseroute, Unterkünfte und Lokale wissen möchtet, dann schreibt uns einfach einen Kommentar oder eine E-Mail. Wir beantworten gerne eure Fragen und geben euch Tipps zu Sehenswürdigekeiten, Cafés und landschaftlichen Highlights.

Habt die schönste Zeit!

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